Gehäuft Berichte von Pferden mit plötzlicher Ataxie und neurologischen Störungen

Neues Virus im Fokus der Pferdemedizin
Aktuell häufen sich in der Region Berichte von Pferden mit neurologischen Ausfällen. Die Symptome erinnern an FSME-Erkrankungen oder Infektionen durch das West-Nil-Virus. Jedoch scheint nach aktuellem Forschungsstand ein bestimmtes, neues Virus im dringenden Verdacht zu stehen, diese Krankheitswelle auszulösen – das sogenannte Shamonda-Virus (ein Orthobunyavirus).
Virus als Ursache noch unbestätigt:
Obwohl das Virus kürzlich im Hirngewebe von zwei verstorbenen Pferden nachgewiesen wurde, betonen offizielle Behörden wie das Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BLV), dass der kausale Zusammenhang noch nicht bewiesen ist (blv.admin.ch). Ob das Virus wirklich der Auslöser für die gehäuften Erkrankungen ist, wird derzeit intensiv erforscht
Reine Verdachtsdiagnose:
Ein sicherer und definitiver Nachweis am lebenden Pferd ist mit den aktuellen Labormethoden noch nicht möglich. Tierärzte können die Erkrankung derzeit ausschließlich als Verdachtsdiagnose über das klinische Bild und das Ausschließen anderer bekannter Krankheiten eingrenzen.
Sofort den Tierarzt verständigen:
Bei den ersten Anzeichen von unklaren Bewegungsstörungen, plötzlicher Müdigkeit, Schwanken, Muskelzuckungen oder Schielen sollten Sie keine Zeit verlieren. Kontaktieren Sie umgehend Ihren Tierarzt um das Pferd neurologisch untersuchen und symptomatisch stabilisieren zu lassen.
Bislang keine spezifische Therapie:
Da der Erreger neu im Fokus steht, gibt es aktuell keine gezielte Therapie oder Heilung gegen das Virus selbst. Die tierärztliche Behandlung beschränkt sich rein auf das Lindern der Symptome und die Unterstützung des Nervensystems. Bei den meisten Pferden wird ein positiver Verlauf gemeldet.
Keine Ansteckung von Pferd zu Pferd:
Nach bisherigen Erkenntnissen wird das im Verdacht stehende Virus durch infizierte Gnitzen (winzige Stechmücken) (links im Foto) übertragen.
Prävention/Impfschutz checken:
Da es gegen das neue Virus noch keinen Impfstoff gibt, bleibt als Schutz gegen den neuen Verdachtserreger derzeit nur ein striktes Insektenmanagement (Fliegendecken, Repellents, angepasste Weidezeiten). Gegen das West-Nil-Virus (WNV), das ganz ähnliche neurologische Symptome zeigt, gibt es eine wirksame Impfung. Diese sollte vor der Mückensaison aufgefrischt sein. Auch hier ist jedoch striktes Insektenmanagement die beste Prävention.

Größenvergleich zwischen der Gnitze (links) und der Stechmücke (rechts). © Dunpharlain/Wikimedia Commons

